Home > Archiv > Ist Joomla veraltet?

Ist Joomla veraltet?

Geschrieben von   admin on    Mai 10, 2011

Wegen des anstehenden Ausbaus einer Website, die bisher unter Joomla! 1.5 lief (seinerzeit auch von kumarisoft erstellt), stand die Entscheidung an, welches CMS der Kunde zukünftig einsetzen möchte. Einer der Mitarbeiter des Kunden schlug MODx vor. Denn er hatte vor kurzem in der Zeitschrift c't einen Artikel gelesen, in dem MODx ziemlich über den Klee gelobt wurde. Ein Wechsel zu ModX hätte sich aber in dem zur Verfügung stehenden Zeitrahmen unmöglich realisieren lassen. Schließlich hätten die bestehenden Inhalte übernommen werden müssen.

Wegen der hohen Anzahl wäre nur eine automatisierte Übernahme in Betracht gekommen, die erst noch zu erstellen gewesen wäre. Zudem lag von meiner Seite aus kein Know How zu MODx vor. Allerdings war auch die Portierung bestehender Inhalte von Joomla! 1.5 nach Joomla! 1.7 kein Kinderspiel: Die einzige mir bekannte zur Verfügung stehende Upgrade-Komponente funktioniert nicht zufriedenstellend. Auch wenn sich die Entwickler damit vermutlich sehr Mühe gegeben haben. Zudem gab es auch eine Komponente, die wegen der neuen Features von Joomla! 1.7 nicht mehr benötigt wurde (seinerzeit von kumarisoft entwickelt, um einige Beschränkungen von Joomla! 1.5 zu unmgehen). Für deren Inhalte gab es gar kein bestehendes Upgradeverfahren.

Das Grundsystem ist nicht alles

Aber selbst wenn der Zeitrahmen ausgereicht hätte, so wären einige Dinge beim Wechsel zu einem ganz anderen CMS kaum zu lösen gewesen. Bei der bestehenden Website wurden einige spezielle Joomla!-Erweiterungen von externen Anbietern verwendet (z.T. auch kostenpflichtige), für die es bei MODx keine Entsprechung gab. Auch nicht für gutes Geld. Für die verwendeten Erweiterungen, die unter Joomla! 1.5 verwendet wurden, ließen sich nach kürzerer Recherche Nachfolgeversionen oder ein Ersatz finden.

Als Beispiel sei hier AcyMailing von Acyba genannt. Eine ziemlich ausgereifte Komponente, die auch den Versand von sog. Auto Newslettern beherrscht, Newsletter, deren Inhalt zum Teil aus neuen Beiträgen entnommen wird. Selbstverständlich gut konfigurierbar. Es sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, dass es mit einer anderen Komponente eines anderen Herstellers für den gleichen Zweck in der Vergangenheit viel Ärger gab. Es ist also auch bei den Joomla!-Erweiterungen nicht alles Gold was glänzt. Jedenfalls gab es für MODx keine auch nur annähernd vergleichbare Erweiterung. Auch nicht für gutes Geld.

Zugegeben:

Joomla! ist auch mit der Version 1.7/2.5 kein wirklich absolut modernes CMS geworden. Nach wie vor fehlen wichtige Features. Etwa ein Content Construction Kit, was schon zum Kernumfang gehört. Es gibt keine Versionierung der Inhalte. Jedenfalls nicht von Haus aus. Gut, man kann auch hier mit Zusatzerweiterungen nachrüsten, aber das ist nicht dasselbe, als ob das System es von Haus aus mitbringt. Einige CMS gehen von einem Seitenbaum aus, was ein Konzept ist, was Personen, die mit dem System arbeiten sollen, durchweg einleuchtender erscheint, als die bei Joomla! vorhandende Trennung zwischen Kategorien/Beiträgen einerseits und Menüs andererseits. Und einiges mehr.

Was ist aber,

wenn man z.B. eine Funktionalität benötigt, wie bei dem oben angesprochenen Newslettersystem, und eine Entsprechung nicht aufzutreiben ist? Es ist bei vielen Problemstellungen unwahrscheinlich, dass man bei Joomla! nicht irgendeine Lösung findet, auch wenn man sie (meist zu sehr überschaubaren Kosten) bezahlen muss. Etwas wie AcyMailing programmiert sich nicht mal so nebenher. Also steht man auf dem Schlauch. Da mag das "modernere" CMS im Kern noch so hip und toll sein. Es hilft einem an diesem Punkt doch nicht weiter.

Fazit:

Es gibt also nach wie vor gute Gründe, auf Joomla! zu setzen. Natürlich wird es oft Fälle geben, bei denen eines der moderneren CMS einem Kunden nützlicher sein wird. Etwa weil er gewisse Features absolut entbehren kann, dafür aber Wert auf einen wirklich einfachen und auch für ihn verständlichen Umgang mit dem CMS Wert legt. Oder weil ein sog. Enterprise-CMS nötig ist, wovon man bei Joomla! nicht sprechen kann. Joomla! hat aber nach wie vor seine Stärken. Neben den Erweiterungsmöglichkeiten fallen mir dazu auch das Templatessystem mit der Möglichkeit von Overrides ein, mit denen man praktisch jede Systemausgabe abändern kann. Und einiges mehr.

Nachtrag

29.03.2012: Das Upgrade-Management seitens der Joomla!-Community von Versionen 1.5.x auf 1.6/1.7/2.5 kann man wohl nur als absolut katastrophal bezeichnen. Es wurde noch nicht einmal für die Kernkomponente eine Upgrademöglichkeit vorgesehen, sondern die Sache anderen Anbietern überlassen. Das immer wieder in irgendwelchen Anleitungen genannte jUpgrade hat bei allen Installationen, die von Joomla! 1.5.x auf 1.6 oder 1.7 aktualisiert haben, einen immensen Fehler eingebaut. Die assets-Tabelle wurde da nämlich mit falschen Inhalten gefüllt. Richtig auffallen tut es aber erst mit Joomla! 2.5 (ich verkneife mir jetzt einen Kommentar zu dieser absolut merkwürdigen Folge von Versionsnummern). Statt eine vernünftige Hilfe anzubieten, wurde schlicht darauf hingewiesen, dass jUpgrade ja schließlich nicht von Open Source Matters (die Firma hinter Joomla) stammt. Es gab eine Anleitung, wie man manuell (!) über temporäre Kategorien und Hin- und Herverschiebung von Beiträgen das Problem in den Griff bekommt! Geht's noch? Wie soll man dass bei Seiten mit zig Kategorien und tausenden von Beiträgen bewerkstelligen? Irgendwann wurde von jemand, bei dem gleich 40 Websites betroffen waren, eine eigenprogrammierte Lösung angeboten. Einsatz auf eigenes Risiko. Zum Glück ließ sich das Problem tatsächlich damit entschärfen. Etliche Joomla!-User sind wegen dieser Sache ziemlich angefressen. Ich auch. Es hat lange gedauert bis ein Außenstehender eine Lösung präsentiert hat. So lange, dass ich eine Kundenwebsite zwischenzeitlich nach Joomla! 1.7 zurückportieren musste, nur um sie demnächst wieder nach 2.5.x hochziehen zu müssen, da ja der Support für die Version 1.7 ausläuft. So steht man kopfschüttelnd da, und fragt sich, ob es nicht langsam an der Zeit ist, sich nach etwas anderem umzusehen.

Es ist mir klar, dass weiter oben gemachte Aussagen sich durch den letzten Absatz relativieren. Aber das hat seinen Grund. Die weitere Entwicklung von Joomla! wird von mir kritisch beobachtet werden.

Noch ein Nachtrag

21.06.2012: Zwei Tage, nachdem die Joomla!-Version 2.5.5 veröffentlicht wurde, musste eiligst die Version 2.5.6 nachgeschoben werden. Hier ist der Link zur Seite, die auch die wichtigsten Gründe für das 2.5.6er Release aufführt. Etliche der unter "Tracker Issues" aufgeführten Probleme lassen einen daran zweifeln, was für Leute die Joomla!-Entwicklung zur Zeit vorantreiben. Es sind Fehler dabei, die einfach nicht sein können, sofern eine auch nur halbwegs vernünftige Qualitätskontrolle vor der Veröffentlichung neuer Releases stattfindet. Unfassbar!

Blogbeiträge:

 Tags:

Blog CMS Joomla!

Kommentare

Kommentar schreiben



(Ihre E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt.)


Ungültiger Sicherheitscode

Bitte klicken Sie das Bild an, um einen neuen Sicherheitscode zu laden.